Die Sache mit dem Stress

„Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.“, heißt es nach Augustinus Aurelius [1] und genau dieses Zitat steht auf meiner Geburtstagskarte von einer ganz lieben Person, die mich immer öfter daran erinnert, mehr Spaß im Leben zu haben: „Sonst trocknet man doch innerlich aus.“

Was mich zu einem zweiten Artikel über den Stress bewegt, war die Gelegenheit, mir einen Vortrag von Herrn Prof. Dr. J. C. Pruessner an der Universität Konstanz anzuhören.

Das Thema: „Was Stress mit unserem Gehirn macht“.

Zuerst wurde mithilfe eines Videoausschnitts des SWR erklärt, warum wir Stress haben können und was darunter zu verstehen ist. Stress war für unsere Urahnen vor Millionen von Jahren schon wichtig, um zu überleben. Heute müssen wir nicht mehr vor bedrohlichen Mammuts flüchten, kommen aber dennoch in Situationen, die unsere Nerven beanspruchen, beispielsweise wenn wir Aufgaben im Leben zu bewältigen haben, denen wir uns nicht gewachsen fühlen. Wir denken, einer hohen Verantwortung nicht mehr gerecht werden zu können und fürchten uns, jemanden zu enttäuschen. Das kann eine Bedrohung des sozialen Status sein. Ein drohender Ausschluss aus einer sozialen Gruppe ist stressvoll oder auch die Bewertung durch andere Menschen, wenn diese schlecht ausfällt.

Zu unterscheiden ist zwischen einem Stressor (einem Ereignis aus der Umwelt), der dann den Stress (die Antwort des Körpers, um mit der Situation klarzukommen) auslöst.

Wann nehmen wir Stress wahr? Es kommt zu einer Stressbewertung. Hat man mehr Ressourcen als Erwartungen, die auf einen zukommen, sieht man die Situation als Herausforderung. Umgekehrt, wenn man weniger Fähigkeiten besitzt und eine Situation mit hohen Erwartungen meistern muss, wird sie als Bedrohung gesehen und das Stresssystem wird aktiviert.

Stress führt zu einer Energiebereitstellung im Körper. Die Hormone Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Die Verdauung wird heruntergefahren, der Puls wird schneller, der Blutdruck steigt an, das Schmerzempfinden wird niedriger.

Was sind akute Effekte? Das Gedächtnis kann gefördert oder beeinträchtigt werden. Der Zeitpunkt spielt hierbei eine Rolle. Stress verbessert das Speichern von Informationen, erschwert aber deren Abruf. In einer überreizten Situation, beispielsweise während einer Klausur, gelingt der Abruf von Informationen schlechter. Andersrum können wir uns eine unangenehme und gleichzeitig stressige Situation eher wieder vor Augen führen.

Cortisol wird nicht nur beim Stress, sondern auch beim Sport ausgeschüttet. Eine Idee, warum wir uns dennoch nach dem Sport erfüllt und erleichtert fühlen wäre, dass beim Sport Energie bereitgestellt wird und, anders als in einer Examenssituation, auch verbraucht wird.

Der Vortrag war hier noch längst nicht vorbei, doch ich möchte an dieser Stelle den kleinen Exkurs zu Ende bringen, um dem Dozenten ausgiebiges Lob und Wertschätzung seiner Arbeit zukommen zu lassen, und zusätzlich anmerken, dass ich Vorträge zu diesem Thema wichtig finde, auch wenn es sicherlich jemanden gibt, der uns bekannt geben muss, dass ihn nichts aus der Ruhe bringen kann. Dennoch glaube ich, dass viele junge Studierende sich unnötig stressen lassen. Und weil ich innerlich nicht austrocknen möchte, meine Seele nicht wie eine kümmerliche Rosine aussehen soll, gehe ich Aktivitäten nach, die Körper und Geist gesund und im Einklang halten.

Emilia Mikautsch

 

[1] https://www.aphorismen.de/zitat/2924 (20.11.17, 20:52)

Bilder: 9GAG

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