Im Interview mit Herd♥Habibi

Ihr Motto: „Freunde werden am Herd gemacht.“
Da mein Herz leicht mit lieben, neuen Freunden und gutem Essen gewonnen werden kann, wollte ich mehr über das Projekt erfahren. Wer und was hinter Herd♥Habibi steckt, hat mir Anika neulich in einem kleinen Interview verraten.

„So liebe Anika, meine erste Frage: Was ist Herd Habibi?“
„Wir sind ein relativ neuer Kochblog auf Deutsch und Arabisch. Ich mache das zusammen mit meinen Freunden Majd und Katja. Uns hat Kochen schon immer verbunden und wir haben gesagt, wir wollen
unsere Rezepte teilen. Man lernt sich gut kennen in der Küche. Und Herd Habibi ist wie eine Sprachbrücke zwischen Deutschen und
Arabern. Beide können die Rezepte gleichberechtigt lesen und nachkochen. Ganz ohne Übersetzungsapp. Unsere Rezepte sind
unkompliziert und ein Querschnitt von dem, was wir hier in Deutschland so essen und die Zutaten sind nicht besonders schwer zu
kriegen.“

„Magst du mir das Team einmal kurz vorstellen?“
„Katja ist unsere Social Media-Spezialistin, sie kauft super gerne Kochbücher und probiert gerne neue Rezepte aus. Majd ist fürs Arabische zuständig, er spricht aber nach zwei Jahren in Deutschland schon so gut Deutsch, dass er unsere Tippfehler findet. Er kommt ursprünglich aus Syrien – mit uns hat er zum ersten Mal Spätzle gegessen und fand es geil. Ich selbst studiere Literatur-Kunst-Medien und hatte voll Lust, mal eine Idee bis zum Ende umzusetzen. Weil wir alle Lust darauf hatten, haben wir die Domain www.herdhabibi.de reserviert – obwohl wir mit Jobs und Studium eh schon jede Menge zu tun haben. So treffen wir uns regelmäßig und haben einen leckeren Anlass dazu.“


Das Team von Herd Habibi: Katja, Anika, Majd.

„Seit wann gibt es denn euren Kochblog?“
„Seit Mitte Juni, aber die Idee gibt es schon etwas länger. Die ist vor circa einem halben Jahr auf einer Party entstanden. Es sollte ein Kochblog sein. Es gibt schon tausende, da haben wir nach unserer Nische gesucht und sind so darauf gekommen, dass wir schon lange Herd Habibis sind.“

„Euer Ziel ist es, wie du schon gesagt hast, internationale Rezepte auszutauschen?“
„Eher Rezepte international auszutauschen. Der Blog ist sowohl für Deutsche als auch für alle arabisch Sprechenden in Deutschland. Vielleicht aber auch für Leute in der arabischen Welt, die gerne mal unsere Küche ausprobieren möchten. Wir nehmen immer ganz einfache Produkte, die du in jedem Supermarkt finden kannst und versuchen das dann auch möglichst gut zu übersetzen. Das ist allerdings manchmal richtig schwierig. Wir stolpern öfters über einzelne Zutaten und müssen erstmal einige Freunde von Majd fragen, wie man die überhaupt übersetzen kann oder ob etwas Ähnliches in der arabischen Küche verwendet wird.“

„Kocht ihr nur typisch Deutsch?“
„Nein, wir haben tatsächlich schon von italienisch bis asiatisch alles durch. Wir zaubern einfache Gerichte, die man bei uns in jeder WG zubereitet. Ich glaube jeder Deutsche kocht international. Wir wollen gerne in Zukunft Gastköche einladen. Es gibt schon die Anfragen von vielen deutschen Freunden, wann denn das erste arabische Gericht kommt.“

„Beschränkt sich die Adressatengruppe auf irgendeine Altersklasse?“
„Nein, wir sind offen für alle.“

„Besonders für Studenten, die vielleicht ein bisschen Abwechslung auf dem Teller brauchen?“
„Ja, Studenten auf jeden Fall auch. Und ich glaube, das ist auch das Gute, dass wir so viele und unterschiedliche Rezepte haben, weil man ja oft planlos ist und da ist die Abwechslung ganz schön.“

„Wie oft kocht ihr zusammen?“
„Einmal pro Woche ist unser Ziel, mindestens zwei Mal im Monat. Das versuchen wir so durchzuziehen. Wir treffen uns aber eben manchmal auch nur zum Baden gehen und lassen den Herd aus. Der Blog ist ein Hobby, kein Zwang.“

„Wo kocht ihr?“
„Wir kochen bei Katja, die die schönste und größte Küche und hat. Und einen Geschirrspüler.“

„Wie lang braucht ihr ungefähr bis dann alles online ist, nachdem ihr gekocht habt? Bezüglich der Fotos
und Texte etc.
„Das kostet wirklich sehr viel Zeit. Da unterschätzt man oft die Arbeit dahinter. Zudem haben wir noch einen Facebook- und Instagram-Auftritt. Inzwischen sind wir schon schneller geworden. Wir fangen so um 18 Uhr an und sind dann abends gegen 23 Uhr fertig. Einfach, weil wir manchmal dann noch Gifs einfügen oder Videos machen. Wir müssen das übersetzen, wobei Majd damit sicherlich die meiste Arbeit hat, weil die
Übersetzung Eins-zu-eins nicht möglich ist. Wir diskutieren oft über Wörter, bei denen er dann sagt: ‚Das kannst du so doch nicht sagen.‘ Und wir antworten dann: ‚Ja dann versuch ein anderes Wort zu finden.‘ Allein schon für Nudeln zum Beispiel, im Italienischen gibt es ja so viele Nudelsorten und im Arabischen ist es dann erstmal schwierig die richtigen und passenden Beschreibungen zu finden. Es dauert also tatsächlich viel länger, als man es erwartet hätte.“

„Wollt ihr das auch in anderen Sprachen übersetzen oder bleibt ihr bei Deutsch und Arabisch?“
„Wir bleiben erstmal bei Deutsch und Arabisch, einfach wegen dem Arbeitsaufwand. Wir haben auch Schwierigkeiten mit der Formatierung – linksbündig/rechtsbündig – weil Arabisch anders gelesen und geschrieben wird. Es ist ein Blog mit internationalen Rezepten in deutscher und arabischer Sprache. Wir sagen nicht, dass wir uns jetzt auf deutsche und arabische Küche beschränken. Wir machen alles, aber wir veröffentlichen die Rezepte nur in zwei Sprachen. Und es gibt auch typisch deutsche Gerichte für alle, die
sich langsam an nicht-arabisches Essen herantasten wollen. Im Kleinen klappt das ziemlich gut, wir haben eigentlich an jedem Kochabend Freunde da, die auch mal so seltsame deutsche Gerichte wie Toast Hawaii ausprobieren wollen. Am Ende schmeckt es denen eigentlich immer.“

Mein Fazit nach diesem Interview: Ich merke selbst, dass ich in einem Einpersonenhaushalt nie wirklich Lust habe, etwas Ausgefallenes zu kochen, weil ich mir einrede, dass dies mit zu viel Aufwand und Zeitverlust verbunden ist. Doch das Team von Herd Habibi hat mich eines Besseren belehrt. Ihre Rezepte sind einfach und bieten einen Ausweg aus der immer gleichen Routine meiner fünf Rezepte, die ich halbwegs beherrsche. Ebenso gibt es überschaubare Varianten, die man zusammen mit Freunden bei gemeinsamen Kochabenden ausprobieren kann. Und warum landet dieser Artikel jetzt gerade auf Jeune Europe? Ich finde, unsere Blogs haben eine große Gemeinsamkeit: Die Internationalität. Während wir von Jeune Europe beispielsweise Artikel über Politik, Kultur, Literatur oder Geschichte schreiben und diese in verschiedenen Sprachen übersetzen, bringt Herd Habibi dieses Prinzip auf eine weitere, nämlich kulinarische, Ebene.

Emilia Mikautsch

 

Bilder © Herd Habibi | www.herdhabibi.de

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